Die Unterhaltsreinigung von Verwaltungsgebäuden, Schulen, Kliniken und Betriebsstätten ist ein Markt mit hohem Lohnkostenanteil, geringen Margen und allgemeinverbindlichen Tarifverträgen. Der Wettbewerb wird deshalb fast ausschließlich über die kalkulierten Reinigungszeiten geführt. Wer als Auftraggeber die Leistung nur über Quadratmeter und Reinigungsintervalle beschreibt und den Zuschlag allein auf den Preis erteilt, erhält regelmäßig Angebote, deren Leistungswerte in der Ausführung nicht eingehalten werden können. Das Seminar setzt an dieser Stelle an und behandelt den gesamten Beschaffungsvorgang von der Bedarfsermittlung bis zur Vertragssteuerung.
Der erste Teil gilt der Vorbereitung. Behandelt werden die Flächenerhebung und das Raumbuch als Grundlage jeder Kalkulation, die Wahl zwischen leistungsorientierter und ergebnisorientierter Leistungsbeschreibung, Reinigungsverfahren und Reinigungsintervalle, die Vorgabe von Mindest- und Richtreinigungszeiten anhand der RAL-Richtwerte und die Frage, welche Normen und Gütezeichen sich als Anforderung eignen. Dazu gehören DIN 77400 für die Schulreinigung, DIN EN 13549 für Qualitätsmesssysteme, RAL-GZ 902 und das EU-Umweltzeichen für Gebäudereinigung (Beschluss (EU) 2018/680). Das Seminar ordnet diese Nachweise ein: Was ist Eignungskriterium, was Mindestanforderung an die Leistung, was Zuschlagskriterium, und wo verlangt das Vergaberecht die Anerkennung gleichwertiger Nachweise? Die Schätzung des Auftragswerts bei Dauerschuldverhältnissen, die Losbildung nach Gebäuden oder Gewerken ), Laufzeit und Verlängerungsoptionen sowie Rahmenvereinbarungen schließen den ersten Teil ab.
Der zweite Teil behandelt Eignung, Wertung und Zuschlag. Eignungsanforderungen an Referenzen, Fachpersonal, Zertifizierungen und Nachunternehmer werden ebenso dargestellt wie die Prüfung der Angemessenheit der Preise, bei der die kalkulierten Leistungswerte in Quadratmetern je Stunde der zentrale Prüfungsmaßstab sind. Im Mittelpunkt steht die Bewertungsmatrix. Das Seminar zeigt, wie die Reinigungsqualität über Gesamtleistungsstunden mit einem Referenzwert und einem Korridor bewertet werden kann, wie Konzepte zu Auftragsübernahme, Qualitätsmanagement, Personal und Nachhaltigkeit benotet werden und welche Zuschlagsformeln zum wirtschaftlichsten Angebot führen. Verbreitete Preiswertungsmethoden wie die Quantil- oder Medianmethode werden kritisch geprüft, denn sie können dazu führen, dass bei gleicher Leistung nicht das günstigere Angebot gewinnt, und verletzen damit das Wirtschaftlichkeitsprinzip und den Transparenzgrundsatz.
Der dritte Teil gilt dem Vertrag und der Ausführung. Behandelt werden Tariftreue und Mindestlohn, der Betriebsübergang beim Wechsel des Dienstleisters, Lohngleitklauseln als Überprüfungsklauseln nach, Arbeitssicherheit und Weisungsrechte gegenüber dem Personal des Auftragnehmers, Qualitätskontrolle, Reklamationsmanagement sowie Minderung und Vertragsstrafen mit ihren Grenzen. Beispiele aus realen Ausschreibungen, typische Fehler und Fragen der Teilnehmenden runden das Seminar ab.
Inhalt
- Der Markt für Reinigungsdienstleistungen: Lohnkostenanteil, Tarifbindung, Kalkulation über Leistungswerte.
- Schätzung des Auftragswerts bei Dauerschuldverhältnissen, Wahl der Verfahrensart, Losbildung, Loslimitierung.
- Flächenerhebung, Raumbuch, Reinigungsverfahren und Reinigungsintervalle.
- Leistungsorientierte und ergebnisorientierte Leistungsbeschreibung.
- Mindest- und Richtreinigungszeiten, RAL-Richtwerte, Korridore und ihre Festlegung.
- Normen und Gütezeichen: DIN 77400, DIN EN 13549, RAL-GZ 902, EU-Umweltzeichen Gebäudereinigung, ISO 9001, ISO 14001 und EMAS.
- Einordnung der Nachweise als Eignungskriterium, Mindestanforderung oder Zuschlagskriterium; Gleichwertigkeit.
- Eignungsanforderungen: Referenzen, Fachpersonal, Zertifizierungen, Nachunternehmer, Eignungsleihe.
- Nachforderung von Unterlagen und Umgang mit fehlerhaften Preisblättern.
- Prüfung der Angemessenheit der Preise, Aufklärung unrealistischer Leistungswerte.
- Bewertungsmatrix: Gesamtleistungsstunden mit Referenzwertmodell, Konzeptbewertung, Punkteskalen, Gewichtung.
- Zuschlagsformeln und ihre Wirkung; kritische Prüfung von Quantil- und Medianmethoden.
- Laufzeit, Verlängerungsoptionen, Rahmenvereinbarungen.
- Tariftreue und Mindestlohn, Betriebsübergang (§‑613a BGB).
- Lohngleitklauseln und Preisanpassung.
- Arbeitssicherheit, Weisungsrechte, Qualitätskontrolle, Reklamationsmanagement.
- Minderung, Vertragsstrafen und ihre Grenzen, Kündigung.
- Beispiele und Tipps für die Praxis.